Musik verbindet uns mit Gott und untereinander – Ein kurzer Einblick in das internationale MWC Ensemble/Chor 2015 

(von Nina Horsch, die zwar nicht bei der Twentour dabei war, aber trotzdem ihre Erlebnisse mit uns teilt)

Zehn Tage lang durfte ich Teil einer bunten, humorvollen und talentierten Gruppe von 20 Musikern sein, die für die Mennonitische Weltkonferenz den Lobpreis für die Gottesdienste vorbereitete und mitgestaltete. Wir repräsentierten 5 Kontinente und 10 Länder, kommen aus verschiedenen Kulturen, sprechen viele Sprachen, haben unterschiedliche Musikhintergründe und erlebnisreiche Glaubenswege hinter uns. Wir lernten uns kennen, erzählten unsere Lebensgeschichten, teilten unsere Musik, wohnten gemeinsam, tauschten kulturelle Weisheiten aus, diskutierten über aktuelle Themen und probten fast den ganzen Tag – zusammengefasst wir lernten unsere Vielfalt in Kürze kennen und schätzen.MWC Ensemble

Es war eine Herausforderung, die bedeutenden Lieder der Mennonitisch-täuferischen Gemeinden aus aller Welt mit vielen verschiedenen Sprachen in drei Tagen vor Konferenzbeginn kennenzulernen und vortragsreif zu üben. Aber die Arbeit hat sich gelohnt und es ist ein riesiges Geschenk an Erfahrung und Musikschatz, den einem keiner mehr nehmen kann. Es ist beeindruckend, wie viel Aussagen und Themen in den Liedern aufkommen und wie die Komponisten/Verfasser diese in Text und Musik verarbeitet haben – oft genau passend zu unseren Situationen im eigenen Land, Gemeinde oder persönlichen Lebenslauf. Ich bin mir sicher, dass jedes Lied einen passenden Moment in meinem Leben finden wird, in dem es mir ganz besonders hilft und mich Gott näher bringt.

Selbst einige Wochen nach der Konferenz schwirren mir die Lieder immer wieder im Kopf herum. Wunderschöne Melodien von nah und fern erinnern mich an die ereignisreiche Zeit der Konferenz und viele Begegnungen, verbinden mich mit Gott und mit besonderen Menschen, vor allem natürlich mit meinen neu gewonnenen Freunden aus dem MWC Ensemble/Chor. Sehr passend zu meinen Erlebnissen finde ich das Zitat von Martin Luther, der sagte: Musik ist ein reines Geschenk und eine Gabe Gottes, die das Böse vertreibt, Leute fröhlich macht und man durch sie die Sorgen vergisst.

Vergesst die Gastfreundschaft nicht..

(von Benjamin Krauß)

Am Montag endete die Twentour 2015 in Boston nach drei Wochen gemeinsamem Reisen zu Ende.
Wir haben viel gemeinsam erlebt. Über manches wird vielleicht hier und anderswo noch erzählt werden, für vieles finde ich zumindest noch gar keine Worte.

Hier möchte ich mich gerne bei einigen Menschen bedanken, ohne die diese Reise nie so zustande gekommen wäre. Wir, die wir gemeinsam unterwegs waren haben uns schon in Boston in verschiedenen Formen unseren Dank für einander ausgedrückt. Das muss hier nicht wiederholt werden. In unserem ersten Artikel und vielerorts haben wir uns schon bei den Gemeinden, Einzelpersonen und verschiedenen Institutionen, die einzelne von uns oder die Twentour als Ganzes finanziell unterstützt haben. Auch dieser Dank gilt immer noch und muss nicht endlos wiederholt werden.

Hier will ich den verschiedenen Geschwistern danken, die uns in ihren Städten und Häusern empfangen haben, uns Plätze zum Schlafen gegeben, köstliche Mahlzeiten vorbereiteten, oder Zeit genommen haben, um uns herumzuführen, die örtlichen Delikatessen zu zeigen und einen Einblick in ihr Leben zu geben.

In DC fanden wir im International Guest Haus ein „Zuhause jenseits von Zuhause“ was neben der gemütlichen Einrichtung vor allem an den Freiwilligen lag.
Jake, der nicht im Guest Haus sondern für die Hyattsville Mennogemeinde arbeitet, verbrachte seine gesamte Freizeit damit, uns die verschiedensten Ecken DCs zu zeigen. Ohne ihn hätten wir nie das historisch schwarze Viertel der U-Street oder das Lincoln Memorial bei Nacht gesehen!

In Lancaster beherbergten uns drei Gastfamilien. Ich blieb bei Kathy und Mark., die große Energie aufwandten, um uns in Empfang zu nehmen. Mark fuhr mit Charles, unserem enthusiastischen Reiseführer durch Lancaster County, Sonntag morgens etwa 90 Minuten zum Messiah College, um uns für den Gottesdienst abzuholen und Montag fuhren sie uns weiter nach Philadelphia. Mit Kathy hatte ich schon vor ein paar Monaten angefangen Emails auszutauschen, um diesen Aufenthalt und die Führungen zu buchen. Sie ließ sich vom Enthusiasmus ihrer Tochter, die mich auch nicht kannte anstecken. Alle drei Gastfamilien hatten während der Weltkonferenz schon Leute beherbergt und machten mit uns nach einer Woche Gastfreundschaft einfach weiter..

In Philadelphia beherbergte uns die Mennogemeinde in Germantown, die älteste des Landes. Sie organisierten eine Führung durch das historische Viertel, das eine zentrale Rolle in der Etablierung der Mennos in Nordamerika spielte, eine Station auf der Underground Railroad war, in der Quäker und auch Mennos involviert waren.
Pastorin Amy war eigentlich in Sabbatzeit und bereitete sich darauf vor, eine interreligiöse Inforeise mit Christian Peacemaker Teams zu leiten. Trotzdem nahm sie sich Zeit mit uns zu essen und über die Geschichte und Gegenwart ihrer Gemeinde zu reden und über die Schwierigkeiten der Mennos in den USA über die Frage, wie mit homosexuellen Geschwistern umzugehen sei.
Ruth, Gemeindeglied und Teil des Vorstand organisierte leckere Sandwiches für uns und zusätzlich Nahverkehrstickets im Wert von 60$ und wollte keine Kompensation annehmen.
Wir schliefen bei Lynn und ihrer Familie, die uns sehr entspannt empfingen. Alle Kinder schliefen in einem Zimmer, um Platz für uns zu machen!

In New York gaben uns Katie und Doug eine großartige Präsentation über die Arbeit des Mennonitischen Zentralkomitee (MCC) bei den Vereinten Nationen und wollten auch kein Geld dafür. Katie nahm sich noch Zeit, uns bei strömenden Regen ein Restaurant zu zeigen, obwohl sie weder Zeit noch Hunger hatte.

In Boston führte uns Charlotte, Mark und Kathys Tochter, durch die historische Altstadt und die Universitätsstadt Cambridge, wo sich sowohl die Eliteuni Harvard und die Bostoner Mennogemeinde befinden. Unser Besuch fiel genau zwischen den Abgabetermin einer Hausarbeit und ihren Sommerfamilienurlaub, aber statt entspannt zu packen führte Charlotte uns munter durch Boston und spendierte uns unglaublich leckere Cannoli – gigantische italienische Windbeutel.
In den Monaten vor der Twentour hatte mir Charlotte außerdem Kontaktadressen in allen Städten auf unserer Reise besorgt aus denen schließlich die oben genannten Menschen sich als unsere Gastgeber*innen kristallisierten.

Keiner dieser Menschen kannte irgendjemand aus unserer Gruppe näher bevor wir in ihrer Stadt ankamen. Kathy und ich rekonstruierten irgendwann, dass wir uns tatsächlich schon begegnet waren, aber das war sekundär. Die Motivation für alle diese Leute war, dass Geschwister in Christo von anderswo vorbeikommen und auf ihre Zeit und Raum angewiesen sind.
Und sie nahmen sich Zeit und öffneten ihre Türen ohne lang zu überlegen.

Diese einfache und selbstverständliche Gastfreundschaft hat mich bewegt und ich möchte sie selbst stärker in meinem Leben verkörpern. Andere aus unserer Gruppe haben ähnlich ausgedrückt.

Vielen Dank für euer Geschenk der Gastfreundschaft in ihrer konkreten Hilfe und in dem Beispiel, das ihr uns vorgelebt habt! Ohne euch wäre diese Reise nicht möglich gewesen, und wer weiß, was hieraus alles hervorgehen wird. Oh, und danke an Ben, dafür, dass du mich mit Charlotte und anderen in Verbindung gesetzt hast..

Und hier: das ist euer Deutsch-Übersetzer!

(von Johannes Hege)

Bei der Anmeldung zur Weltkonferenz wurde man auch gefragt, ob man sich vorstellen könne während der Weltkonferenz als Freiwilliger mit zu helfen. Es gab verschiedene Möglichkeiten, zum Beispiel beim Essen, bei der Anmeldung, als Übersetzer, als Helfer in der großen Arena oder eben auch als Helfer beim Kinder- oder Jugendprogramm. Ich hab mich da mal fürs Jugendprogramm entschieden und wusste doch nicht wirklich was ich zu erwarten hatte…

Es stellte sich heraus, dass es zum Jugendprogramm ca. 700 Jugendliche kamen! Davon gut 600 aus den Staaten und Kanada. Hier kamen sogar hauptsächlich kompletten Jugendgruppen mit ihren Jugendleitern. Der Rest (100 Personen) war dann auch noch international, u.a. aus Paraguay, Mexiko, Niederlande, Schweiz, Frankreich, Deutschland und sogar Indien. Die Jugendlichen waren zwischen 12 und 17 Jahre alt. Beim ersten Treffen der Freiwilligen wurde ich dann gefragt ob ich mir vorstelle könnte auch zu übersetzen… Und im ersten Moment dachte ich, warum eigentlich nicht… Immerhin ging es „nur“ um eine Übersetzung im kleinen Kreis, direkt bei den Jugendlichen. Es gab noch einen Niederländisches-, Französisch-, Spanisch- und später auch einen Hindi-Übersetzer.

Und so war unser tägliches Ablauf:

Die meisten Jugendlichen übernachten wie wir im Messiah College, ca. 30 min vom Veranstaltungsgelände entfernt. Das hieß, dann jeden Morgen nach Frühstück, ab in den Shuttle nach Harrisburg.

Nach der ersten gemeinsamen Singen in der „Large Arena“ machte sich also ein riesen Strom von Jugendlichen auf in die Halle G, direkt neben dem Kinderprogramm.

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Jeden Tag wurden wir Übersetzer kurz vorgestellt, und die die Übersetzung benötigen sollten sich dann jeweils zu uns setzen. Am ersten Tag kamen 4 Jugendliche zu uns in die „Deutsch-Gruppe“. Und dann ging‘s los…

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Die Einleitung ging vom Übersetzen her ganz gut, auch wenn der Sprecher etwas schnell unterwegs war. Danach gab es dann verschiedene „Activities“, wo man zu Beginn jemanden finden musste, den man noch nicht kannte und gemeinsam ein paar Fragen beantworten sollte. All diese Fragezeiten waren in einer bestimmten Zeit zu absolvieren, für mich als Übersetzer hieß das, doppelt so schnell denken und erst das eine auf Deutsch übersetzen und dann das andere auf Englisch für die Gegenseite… Das war echt eine Herausforderung, es gab ja mehrere Gruppen mit Deutschsprachigen! Zum Glück hatte ich hier auch noch Hilfe von Maja und Egon, die dann parallel bei den anderen Zweiergruppen geholfen haben, sonst hätt das nicht funktioniert :) Im Endeffekt war echt cool zu sehen, dass man die Sprachbarriere auch anders umgehen kann. Jugendliche aus Paraguay trafen z.B. bei einer Zweiergruppe auf Leute, die spanisch sprechen konnten! So konnten die sich mal ganz ohne meine Interpretation verständigen. Und ich hatte ein kurze Pause🙂

Die Zweiergruppen suchte sich dann eine andere und hatten entweder weitere Fragen oder auch ein kurzes Spiel zu absolvieren.

Das ging soweit bis es 16er Gruppen waren, die sich dann eine „Gebetsstange“ in der Halle suchten und für das dort angeklebte Gebetsanliegen aus der Mennowelt beten konnten.

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Danach kam die härteste Prüfung für den Non-professional, ungeübt-hoch-3-Übersetzer: die „Kurzpredigt“! Die Sprecher waren Jugenddelegierte vom Jugendgipfel und haben echt eine gute Message parat gehabt. Doch das so rüber zubringen und mit der anderen Sprache auszudrücken, war echt die Herausforderung. Ich hoffe im Endeffekt das Richtige übersetzt und den Jugendlichen trotzdem was mit auf den Weg gegeben zu haben.

Die zwei aus Paraguay (Bild) waren die ganze Zeit in unserer „Deutsch-Gruppe“.

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Das Volunteer-Leben war trotzdem super, ich hatte auch noch die Möglichkeit bei der Anmeldung und später nochmal kurz beim Kinderprogramm auszuhelfen. Dort war ich kurz Teil der Adler- und Marienkäfergruppe, und hab selber noch bei unseren Kurzausflügen etwas mehr von der Mennowelt erfahren…

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Auch brauchte man dann mal ne Pause, zum Beispiel im Volunteer-Center, wo man sich auch mal einfach schlafen legen konnte!

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Trotz des ganzen Volunteering konnte ich auch zumindest ein Teil des normalen Programms mitnehmen, jedoch hab ich vor allem beim Volunteering einiges über unsere Mennowelt gelernt.

Resümee der letzten Wochen

(von Lea Janzen)

Heute heißt es Koffer packen und tschüss sagen. Ich kann von mir sagen, ich habe die letzte Woche viel gelernt. Egal woher wir kommen, welche Hautfarbe wir haben: wir sind eine Gemeinschaft. Immer wieder, egal wo, durfte ich dies spüren. Ich hatte viele Begegnungen mit Leuten aus anderen Ländern mit anderen Kulturen und es war spannend mehr über sie zu erfahren, sich auszutauschen und miteinander Spaß zu haben. Über jede einzelne Bekanntschaft bin ich sehe dankbar!

Nicht zu vergessen die Workshops, worships ect. Vieles über das man sich Gedanken macht. Vieles was noch nicht verarbeitet ist, da es wirklich viel an Input war/ ist.  Vieles was ich für mich Zuhause nochmal durchgehe werde…

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Manon und Lea bei einer Half-Day Tour zu den Amish.

Popkultur im MoMA

(von Benjamin Krauß)

In den USA sind viele Museen kostenlos, zumindest zu bestimmten Zeiten oder es werden Spenden erbeten, aber man kann auch weniger zahlen.
In Washington haben wir schon einige der Smithsonian-Museen so erkundet und auch die Liberty Hall in Philadelphia erbat nur Spenden. Ermöglicht wird dies meist durch Firmen, philanthropische Einzelpersonen und den Staat, die kulturelle Institutionen fördern und so in einem der ökonomisch ungleichsten Länder der Welt zumindest theoretisch einen gleichberechtigten Zugang zu Kunst, Kultur und Wissen ermöglichen.

Ausschnitt der Schlange vor dem MoMAAuch das MoMA, das Museum of Modern Art in New York, verzichtet Freitag ab 16 Uhr auf Eintrittsgebühren. Stattdessen muss man in der Schlange warten, bis man ein kostenloses Ticket kriegt und kann dann so lange man möchte auf sechs Stockwerken Kunst von 1871 bis heute anschauen.
Ich hatte mich mit Sam und Olga am Eingang verabredet, um gemeinsam reinzugehen. Natürlich gab es vier Eingänge und bis wir uns gefunden hatten war die Warteschlange bis zum Ende des nächsten Blocks, also ca. 200 Meter angewachsen. In regelmäßigen Abständen achtete MoMA-Personal darauf, dass alles ordentlich ablief, und schickte Drängler*innen ans Ende der Schlange.

Wir haben Tickets!Erstaunlicherweise hielten wir schon nach einer Viertelstunde stolz unsere Tickets in der Hand und konnten schon bald uns ins erwartbare Gewimmel stürzen.

Anders als die relative Einsamkeit in deutschen Museen war man hier konstant in einer Menschenmasse, die aber von der Kunst in Bann gehalten und erstaunlich ruhig war.
Es wurden konstant Photos gemacht, aber meist eher unauffällig und nicht besonders aufdringlich.
Ich brauchte eine Weile, um mich an diese neue Umgebung zu gewöhnen, konnte dann aber doch auch einige Gemälde in Ruhe betrachten und mich auf die verschiedensten Stile einlassen.

Sternennacht und Betrachter*innenSpannender noch als die Kunst war fast, wie die anderen mit ihr umgingen und wie sich Masse, Ruf eines Werks und Raumgestaltung gegenseitig beeinflussten. Van Goghs „Sternennacht“, eines seiner bekanntesten Gemälde und „Posterchild“ des MoMA konnte man fast nicht direkt betrachten, sondern nur über einen stetig wechselnden Pulk an Menschen hinweg.

Erstaunlich wenig Beachtung erhielt m.E. Andy Warhol mit seinen massenhaften Abbildungen der Campbell Soup, dabei war gerade diese neue Form von Kunst, die sich auf Reproduzierbarkeit und Konformität richtet, bahnbrechend.

Im MoMA und auch in den anderen Museen geschieht aber etwas ganz anderes. Hier wird versucht, sogenannte „Hochkultur“, oder auch spezialisiertes Wissen (Wie lebten die frühesten Menschen? Wie können wir wissen, dass es einen menschengemachten Klimawandel gibt? Was können wir dagegen tun?) zu popularisieren, dem Volk mitzuteilen. 
Diese Popularisierung von Wissen ist wichtig, um wahrhaft demokratische Entscheidungen zu ermöglichen, und nicht den Versuchungen des Populismus, der auf Meinungsmache beruht oder der Oligarchie, in der selbsternannte Expert*innen für andere entscheiden, zu verfallen.
Stattdessen wird durch den Verzicht auf feste Eintrittspreise, durch einfache Sprache und durch die Konfrontation mit der Kunst an sich der Versuch gewagt, die Massen zur Kunst und Kultur und damit auch zu Freiheit und kritischem Denken zu verführen.
Ob dieser Versuch gelingt oder doch nur dieselben Eliten die Museen besuchen, kann hier nicht beantwortet werden.

Irgendwann warRomeo, Julia und Thaddäus es mir dann aber zu viel und ich löste mich aus den Massen, und traf Olga und Sam am Ausgang wieder. 
Wir gingen zu Bryant Park, zu einer Freilichtaufführung von Shakespeares Romeo & Julia. Natürlich auch kostenlos.

Was bleibt?

(von Lydia Funck)

Der Parkplatz einer Kirche in Lancaster County am Sonntagmorgen. Keine Autos sondern Buggies.

Der Parkplatz einer Kirche in Lancaster County am Sonntagmorgen. Keine Autos sondern Buggies.

Die Weltkonferenz ging nun schon vor einer Woche zu Ende. Die Twen Tour hat uns weiter geführt und wir hatten noch Begegnungen mit Mennoniten in Lancaster und Philadelphia, haben großzügige Gastfreundschaft in Philadelphia erlebt, Amische besucht und die Metropole New York erkundet. Von den zahlreichen Erlebnissen, die wir auf dem Jugendgipfel und der Weltkonferenz hatten und die uns in dem Moment so sehr bewegt oder berührt haben, sind einige leider schon wieder am Verblassen. Bei allem Bemühen, konnte ich wirklich nicht so viele Blogs schreiben, wie ich gerne gewollt hätte. Hier mein Versuch, noch ein paar Gedanken festzuhalten zu „Aber was bleibt denn nun noch von der Weltkonferenz?“

Schöne Dinge zum Bestaunen und Kaufen auf unserer Tour durch Lancaster County.

Schöne Dinge zum Bestaunen und Kaufen auf unserer Tour durch Lancaster County.

Ohne richtig zu wissen, warum eigentlich genau, haben mich die Gottesdienste auf der Weltkonferenz sehr bewegt. (…und normalerweise bin ich wirklich nicht so nah am Wasser gebaut). Die Lieder waren für mich persönlich hauptsächlich neu und ungewohnt. Die Predigten waren bis auf einige Sätze oft nicht besonders bahnbrechend neu oder herausfordernd. (Vielleicht musst das bei einem so großen internationalen Treffen so sein?) Dennoch haben mich die gemeinsamen Zeiten gerührt. Beispielsweise das Lied „Senzeni Na?“ („Was haben wir getan?“), das ihr euch anhören könnt, wenn ihr hier klickt und dann auf den Reiter „Thursday Evening Worship“ klickt. Startet das Video und geht bis zur Zeit 1:10:20. Da beginnt das Lied, dass ich seit diesem Gottesdienst am Donnerstagabend jeden Tag in meinem Kopf gehört und leise vor mich hin geträllert habe. Das mantraartige Singen der Frage „Was haben wir getan?“ ist auf so vielen Ebenen bewegend gewesen, dass ich mich das einfach viel öfter fragen will. Oder ein anderes Mal, als wir ein Lied auf mehreren Sprachen gesungen haben und diesmal auch auf Zeichensprache. (ich versuche noch das Video zu finden)

Während das ein Ausdruck dafür war, dass wir aufeinander Acht geben und wirklich Gemeinschaft sein und leben wollen, gab es auch andere Momente. Während so oft von Frieden und Versöhnung gesprochen, gesungen und gehört wurde, war es herausfordernd auf einmal selbst an einem Konfliktpunkt mit anderen Teilnehmern der Weltkonferenz zu stehen. Und das noch nicht mal mit Mennoniten aus geografischer Ferne oder aufgrund einer unterschiedlichen Haltung zu einem Thema. Sondern der Konflikt bestand unter anderem in der Art unseres Umgangs miteinander, wegen fehlender Aufmerksamkeit füreinander und mangelndem Respekt vor/für dem Anderen. Jeder von euch kann sich hier in seine eigene Konfliktsituation versetzen, ich werde nicht näher in die Details meines Konfliktes gehen. In solch einer Situation dann die Kraft dieser Versöhnung Gottes spüren und erfahren zu dürfen, das werde ich so schnell nicht vergessen.

Bruxy Cavey bei der Weltkonferenz (Bildausschnitt aus dem Video https://vimeo.com/134522653)

Bruxy Cavey bei der Weltkonferenz (Bildausschnitt aus dem Video https://vimeo.com/134522653)

Die Predigt am Abschlussabend werde ich auch so schnell nicht vergessen. Nicht weil der Inhalt bahnbrechend neu gewesen wäre, aber weil mit vielen Wortwitzen und Geschichten einiges hängen geblieben ist. Bruxy Cavey aus Kanada hat u.a. von seinen Töchtern erzählt, die er zum Sommerlager fuhr. Sie sprachen darüber, was Liebe auf dem Sommerlager bedeutet. Die Antwort seiner Tochter „Ich bin nicht böse zu den anderen“ verglich er mit der Ethik eines Steines (Stein= engl. „rock“). Ein Stein tut auch niemandem etwas Böses, aber das macht ihn noch nicht zu einem liebenden Stein. Liebe bedeutet also mehr als Nichts-Tun. Wir sind beschenkt mit Gaben und Gnade (das hat uns an den Jugendgipfel erinnert…) und Bruxy hat uns nun alle dazu aufgerufen, unsere Gnade weiter zu schenken und anderen damit zum Segen zu werden. Klingt banal? Ist es irgendwie auch. Aber sein Schlusssatz hat es doch in das Zusammenfassungsvideo der Weltkonferenz geschafft: „Rock on!“ Während dieser Ausdruck eigentlich aus der Rock’n’Roll Szene kommt und an eine Band gerichtet so viel heißt wie „Hey, coole Musik, spielt weiter!“, kann man es auch in der Umgangssprache einfach so benutzen um damit jemanden zu ermutigen weiter zu machen, mit dem was er tut. In Bruxy’s Predigt wollte er damit untermalen, dass wir lieben sollen und zwar mehr als ein Stein.*

*Das war wohl auch die Predigt, die den Übersetzern am meisten Kopfschmerzen bereitet hat. Es ist wirklich schwierig Wortwitze zu übersetzen. Sollte also jemandem eine bessere Übersetzung/ Erklärung für Bruxy’s „Rock on“ einfallen, darf das gerne kommentiert werden.

Lost in Translation

(von Gustav Reinhardt)

Christen aus sechs Kontinenten mit zig gesprochenen Sprachen waren auf der Weltkonferenz und dem Jugendgipfel. Kein Wunder, dass es manchmal ein großes Sprachchaos gab, zwischen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, in Workshops aber auch in den „Sessions“.

Um da ein bisschen Ordnung reinzubringen gab es ein tatkräftiges Übersetzungsteam aus aller Herren Länder (Frankreich, Schweiz, Paraguay, Honduras, Deutschland, Brasilien um mal nur ein paar zu nennen). Ich war vor allem auf dem Jugendgipfel zusammen mit Salomé (aus Frankreich) und Emmanuelle (aus der Schweiz) für die Übersetzungen ins Französische verantwortlich. Und es war einer der besten Jobs überhaupt! Denn wann kann man schon als „Erwachsener“ im Gottesdienst und großen Sitzungen rumlaufen, Quatsch machen und die ganze Zeit reden? Denn während auf der Bühne immer fleißig auf Spanisch übersetzt wurde, haben wir hinten unseren Freiraum gehabt und über Headsets den frankophonen Menschen die Übersetzung ins Ohr geflüstert. Und auch den ein oder anderen Witz erzählt. Live-Radio sozusagen. Manchmal mit Tanzen (der Beweis ist im GYS-Video [LINK])
Und dann gab es da doch die Momente, in denen man sich konzentrieren musste. Was hat die Person auf der Bühne doch gerade gesagt? Wie meint er das genau? Wo war doch grad das Verb? Und der schwierigste Punkt war, das man unkommentiert alles übersetzen musste, egal, ob es der eigenen Meinung entspricht oder nicht. Und das möglichst im selben Tonfall wie auf der Bühne. Aber auch das ging vorbei…

Eine der besten Sachen an der Übersetzungsarbeit ist jedoch der gezwungene Kontakt mit anderen Menschen, natürlich meinen Top-Co-Dolmetscherinnen aber auch den Leuten, die die Übersetzung brauchten, aus Frankreich, der Schweiz, aber auch aus dem Kongo und Burkina Faso! Das alles waren Menschen, die ich sonst wahrscheinlich nie wirklich kennen gelernt hätte. Und bei einer Übersetzung für eine Tour auf der Weltkonferenz habe ich sogar den Großvater eines der Kinder kennengelernt, die schon auf der MJN Osterfreizeit dabei waren. So klein ist die Welt.

[Bild von Thaddäus mit Headset von Sam]